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Am Ortseingang von Naturns, etwa 20 Kilometer von Meran entfernt, befindet sich inmitten von Obstgärten mit dem Sankt-Prokulus-Kirchlein ein künstlerisches Kleinod der Region: Dass das mit der Landschaft wie verwachsene Bauwerk über Jahrhunderte als klassisches Beispiel der Kunstlandschaft Südtirol galt, rückt fast in den Hintergrund vor der Tatsache, dass sich im Inneren die ältesten Wandmalereien im gesamten deutschsprachigen Raum befinden. Von der karolingischen | Kunst noch unbeeinflusst, zeigt im übrigen auch der Stil der Malereien das für Meran und Umgebung so charakteristische Mit- und Nebeneinander von Kontrasten. Mit der römischen Antike und einem nordisch inspirierten Naturalismus treffen hier zwei Kunsttraditionen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
So ist es denn auch kein Zufall, dass sich zwei für die römisch-antike Kunst typische Mäanderbänder um die wohl berühmteste der Wandmalereien schlängeln: Die Darstellung eines Heiligen, der wie auf einer Schaukel auf einem Seil sitzt. Dieser so genannte „Schaukler“, zu sehen auf der Südwand, verkörpert vermutlich den Heiligen Prokulus von Verona, welcher dort im 14. Jahrhundert Bischof war und auf Betreiben des heidnischen Statthalters fliehen musste. Für diese Deutung spricht auch die einzigartige Darstellung einer Rinderherde auf der Westwand – galt doch der Heilige Prokulus, Bischof von Verona auch als Beschützer des Viehs.
In einem klaren Kontrast zu den warmen Farben der eben erwähnten Malereien stehen schließlich die vom nordischen Stil inspirierten und wohl von einem anderen Künstler gestalteten Figuren und Ornamente der Ostwand. Hier ist unter anderem ein in kühlen Tönen gehaltenes Engelpaar zu sehen sowie ein typisch nordisches Flechtbandornament. |
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